Montag, 25. Januar 2010

Klausuren

Hallöchen!
Da ich nun schon länger nix von mir hören lassen hab, schreibe ich euch nun mal eine kleine Zusammenfassung meiner letzten drei Wochen.

Meine Klausuren habe ich mehr oder minder erfolgreich hinter mich gebracht. Aber es war interessant zu sehen, was die Franzosen da für einen Film von machen. Ich kann es mal beschreiben: Mindestens eine halbe Stunde, bevor die Klausur los geht, muss man sich vor dem entsprechenden Raum versammeln. Alle Franzosen waren aber schon mindestens eine dreiviertel Stunde vorher da. 30 Minuten vor der Klausur öffnet sich dann geheimnisvoll die Tür zur Hölle und zwei Professoren treten hervor. Einer ist ausgestattet mit einer Liste und beginnt dann mit dem "Appel" (!). Jeder Student wird aufgerufen und muss sich dann direkt zum zweiten Professor begeben, der deinen Studentenausweis kontrolliert und deinen Personalausweis einsammelt(!). Danach teilt der Listen-Professor dir deine Tischnummer (!) mit, da du dich natürlich nicht einfach igendwo in den Raum setzen darfst. Das wäre viel zu unspektakulär. Also eierst du dann erstmal durch den Raum und suchst den Platz mit deiner Nummer und dann hast du 30 Minuten Zeit um deine drei Bögen Papier mit deinem Namen, deinem Studiengang, der Immatrikulationsnummer und dem Modul zu beschriften. Und da wir ja in Frankreich sind und dort die Klausuren anonym geschrieben werden müssen, wird, nachdem du abgegeben hast, von Mitarbeitern jeder Name zugeklappt. Wenn sie Spaß dran haben, können sie das ja gerne machen. Ich fürchte bloß, dass man bereits nach dem ersten Satz, wenn nicht dann spätestens nach dem zweiten Satz, bemerkt, dass es sich bei mir nicht um einen Franzosen handelt. Wer dann klug kombiniert und ja eigentlich weiß, dass es nur eine ausländische Studenten gab in diesem Semester, der kann das Thema Anonymität vergessen. Wenn man dann endlich nach 30 Minuten den Aufgabenzettel bekommt, geht ein großes Stöhnen durch den Raum, denn in jeder Klausur, die ich geschrieben habe, war mindestens eine Aufgabe, die keiner beantworten konnte. Das würde natürlich auch erklären, warum kein Student in ganz Frankreich jemals 20 von 20 Punkten erreicht. Nachdem dann jeder die ganze Klausur einmal durchgelesen hat und sich schon beim Nachschreibetermin schwitzen sieht, geht dann das Zeichnen und Malen los. Ja die Franzosen haben nicht nur bunt leuchtende Notizen aus den Vorlesungen, sondern produzieren auch bunte Klausuren. Naja also ich hab für so einen Schnick-Schnack in der Klausur keine Zeit. Einen einzigen gelben Text-Markerstrich habe ich in meiner ersten Klausur gemacht. Ich habe nicht mal einen Tintenkiller oder Tipp-Ex benutzt. Mal sehen, vielleicht gibt es dafür noch Punktabzug. Für die Studenten, die feststellen, dass sie sich in der falschen Klausur befinden, beginnt eine sehr lange wenn nicht unendliche Stunde des Wartens nach dem Beginn der Klausur, denn in Frankreich darf man seine Klausur frühstens nach einer (!) Stunde abgeben. Und selbstverständlich darf man, egal wie lange geschrieben wird, nicht auf Toilette gehen. Mir wurde erzählt, dass selbst in den 4-stündigen Abiturklausuren Toilettenverbot herrscht.

Diese Klausuren waren auf jeden Fall auch eine interessante Erfahrung, aber ich müsste es jetzt nicht unbedingt nochmal durchmachen ;)

Liebe Grüße, Jenny

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen